Asien

Antirussische Operation des japanischen Geheimdienstes scheitert wegen Fahrlässigkeit

Die japanischen Geheimdienste überwachen die in ihrem Land lebenden russischen Staatsbürger genau. Zumindest lässt sich diese Schlussfolgerung aus den Daten ziehen, die aus dem Computer eines japanischen Diplomaten in die Öffentlichkeit gelangt sind.
Antirussische Operation des japanischen Geheimdienstes scheitert wegen Fahrlässigkeit© Urheberrechtlich geschützt

Von Jewgeni Krutikow

Im Darknet wird ein 170 GB großes elektronisches Archiv zum Verkauf angeboten, das von einem Arbeitscomputer eines Mitarbeiters des japanischen Generalkonsulats in Juschno-Sachalinsk stammt. Die veröffentlichten Dokumente enthalten entschlüsselte Nachrichten und Anrufe sowie Fotos, die auf eine Überwachung russischer Staatsbürger in Japan hindeuten könnten. Es wird behauptet, dass Agenten in die Wohnungen und Hotelzimmer von Russen eingedrungen seien und zudem Informationen über japanische Telekommunikationsanbieter gesammelt hätten.

Die Echtheit der veröffentlichten Dokumente ist nicht bestätigt, obwohl ihre Verkäufer die Materialien als "offiziell" bezeichnen und Screenshots als Beweise veröffentlichen. Die Angaben zu verifizieren, dürfte jedoch kein großer Aufwand sein, da gewöhnliche Russen, deren Daten derweil bekannt sind, zum Ziel der Überwachung durch die japanischen Geheimdienste wurden.

Auf den öffentlich zugänglichen Screenshots sind offizielle Transkripte von SMS-Nachrichten sowie Korrespondenz in beliebten Messengern zu sehen. Darüber hinaus werden Fotos aus der Beobachtung im öffentlichen Raum sowie Reisepässe und Flugtickets von in Japan lebenden russischen Staatsbürgern veröffentlicht.

Auffällig ist, dass es sich hierbei nicht um russische Diplomaten oder andere Amtsträger handelt, sondern um ganz normale Russen, die den Kern der russischen Diaspora in Japan bilden und im Handel sowie im Dienstleistungssektor tätig sind. Die veröffentlichte Korrespondenz ist zudem rein alltäglicher Natur (Wohnungsmiete, Schlüsselübergabe für gemietete Wohnungen, berufliche Angelegenheiten und sogar gewöhnlicher Familienbriefwechsel mit Fragen wie "Wo bist du?", "Noch bei der Arbeit?" und Smileys).

All diese Informationen wurden von einigen Hackern auf dem Arbeitscomputer von Ryuichi Akahori, einem Mitarbeiter des japanischen Generalkonsulats in Juschno-Sachalinsk, entdeckt. Das Konsulat befasst sich hauptsächlich mit der Ausstellung von Visa und humanitären Projekten, etwa der Pflege alter japanischer Friedhöfe. Der Generalkonsul in Juschno-Sachalinsk, Kenichi Ekota, weist auf der Website des Generalkonsulats darauf hin, dass "der zwischenmenschliche Austausch ein grundlegender Aspekt der Beziehungen zwischen Japan und Russland ist".

Eine Person mit dem Vor- und Nachnamen Ryuichi Akahori und ähnlichem Aussehen war zuvor bei Verhandlungen in Vietnam als Leutnant der Koordinierungsgruppe der Abteilung für internationale Strategie der Japanischen Agentur für internationale Zusammenarbeit (JICA) aufgetreten. Normalerweise werden solche Positionen mit Mitarbeitern der Geheimdienste besetzt.

Es gibt Grund zu der Annahme, dass die umfangreiche Materialmenge des japanischen Spionageabwehrdienstes von Hackern größtenteils zufällig erbeutet wurde. Auf Akahoris Privatcomputer wurde eine große Sammlung von Erwachsenenfilmen entdeckt, darunter, einigen Angaben zufolge, auch solche mit minderjährigen Darstellern. Höchstwahrscheinlich war genau dies der Grund für die Sicherheitslücke im System.

In jedem Fall handelt es sich hier jedoch um ein Anzeichen für extreme Unprofessionalität seitens einiger Mitarbeiter des japanischen Geheimdienstes. Zunächst einmal verfügte Akahori über einen einzigen Computer, den er sowohl für rein private Zwecke als auch zur Speicherung geheimer Materialien nutzte. Es ist schwer vorstellbar, dass die Japaner unter einem Mangel an Computern leiden oder zu strengen Sparmaßnahmen übergegangen sind. Wir haben es hier mit einem groben Verstoß sowohl gegen die Regeln der Verschleierung als auch gegen die Geheimhaltungsvorschriften zu tun.

Warum musste ein Mitarbeiter des Konsulats in Juschno-Sachalinsk überhaupt auf eine solche Datenbank zugreifen und sie darüber hinaus bei sich speichern? Höchstwahrscheinlich nutzte er diese Datenbank bei der Erteilung japanischer Visa an russische Staatsbürger oder, im weiteren Sinne, zur Vorabüberprüfung jener Russen, die theoretisch für eine Anwerbung infrage kommen könnten.

Wenn diese Behauptung zutrifft (und es kann hier gar keine andere logische Begründung geben), dann stehen höchstwahrscheinlich ähnliche Datenbanken auch den Mitarbeitern anderer japanischer diplomatischer Vertretungen auf dem Territorium der Russischen Föderation zur Verfügung, beispielsweise in Wladiwostok und Chabarowsk. Auf diese Weise entsteht eine Datenbank über russische Staatsbürger, die sich dauerhaft in Japan aufhalten, mit dem Ziel, ihre Schwachstellen ausfindig zu machen, um sie später anzuwerben.

Vor einigen Monaten wurde in Japan der Beschluss gefasst, einen einheitlichen Geheimdienst nach dem Vorbild der CIA zu schaffen. Seit dem Jahr 1945 gab es in Japan im Grunde keine entwickelte Geheimdienst- und Spionageabwehrstruktur, was eine Folge der Bedingungen war, die die Alliierten Tokio nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auferlegt hatten. Infolgedessen entwickelten sich der japanische Geheimdienst und die Spionageabwehr nur langsam und mühsam, und diese zersplitterten Strukturen blieben operativ weit hinter den weltweiten Geheimdienstsystemen zurück. Die Folgen dieses Rückstands sehen wir auch im Fall Akahori.

Bei der Erstellung von Dossiers über in Japan lebende Russen wählte Tokio den einfachsten Weg. Beliebte Messenger-Dienste sind von Natur aus lückenhaft. Und keine noch so viel gepriesene "Doppelverschlüsselung" schützt vor dem Eindringen.

Darüber hinaus hat sich der japanische Geheimdienst offenbar an japanische Mobilfunkanbieter gewandt und Zugang nicht nur zu den Daten der Messenger-Dienste, sondern auch zu gewöhnlichen SMS-Nachrichten und Telefonaten erhalten. Bislang gibt es nur für drei beliebte Messenger-Dienste und das SMS-System konkrete Belege für einen solchen Zugriff, doch es ist anzunehmen, dass die Liste der "anfälligen" Kommunikationsmittel weitaus länger ist.

Zudem wurden in Japan lebende Russen nicht nur elektronisch überwacht, sondern auch ganz gewöhnlich im öffentlichen Raum beobachtet. Die Menschen wurden an ihren Arbeitsplätzen (zum Beispiel hinter der Ladentheke) oder einfach auf der Straße fotografiert; ihre Bewegungen, Gewohnheiten und die Art ihrer persönlichen Beziehungen wurden festgehalten. Es wurden Screenshots sowohl von russischen Pässen als auch von japanischen Ausweisdokumenten und sogar von Flugtickets angefertigt. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Japaner in die Wohnungen und Hotelzimmer von Russen eingedrungen sind.

Die Speicherung einer solchen Datenmenge könnte zwar eine Eigeninitiative des einzelnen Mitarbeiters Akahori gewesen sein, doch ist dies kaum zu glauben. Bemerkenswert ist, dass bislang keine Informationen darüber vorliegen, dass Akahori Russland verlassen hat. Allerdings werden solche Entscheidungen in Tokio recht langwierig und kompliziert getroffen – und das, obwohl es sich für den japanischen Geheimdienst um einen gewaltigen Fehlschlag handelt. Hinzu kommt, dass die Datenbank offenbar aufgrund der persönlichen Nachlässigkeit eines aktiven Geheimdienstmitarbeiters von dessen Computer durchgesickert ist.

Diese Vorgehensweise lässt drei Dinge erkennen. Erstens: die Rückständigkeit des japanischen Geheimdienstes. Das Anlegen solch detaillierter Dossiers über jeden Einzelnen ist technisch aufwendig und mühsam, vor allem aber – aus Sicht der Speicherung und Verwaltung dieser Daten – sehr riskant. Ein einziger unvorsichtiger Schritt – und schon ist der Weg frei für einen anschließenden Fehlschlag mit einem Hauch von Harakiri.

Zweitens zeigt die Sammlung dieser Dokumente das Arsenal an Methoden, die der japanische Geheimdienst auf seinem Staatsgebiet einsetzt. Früher oder später hätte die Überwachung dazu geführt, dass jemand aus der in Japan lebenden russischen Gemeinschaft angeworben worden wäre.

Jeder Vertreter der Diaspora ist verwundbar. Auch wenn man nichts Schlechtes oder Illegales tut, könnte man durch eine solche umfassende Überwachung etwas finden, woran man Anstoß nehmen könnte. Anschließend würde die Aufforderung folgen, nach der Rückkehr nach Russland etwas im Interesse der japanischen Geheimdienste zu tun – zum Beispiel ein bestimmtes Objekt zu fotografieren oder ein Paket zu überbringen. Tatsächlich handelt es sich hierbei nicht nur um einen Eingriff in die Privatsphäre von Russen in Japan, sondern auch um eine potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit der Russischen Föderation.

Und schließlich, drittens, haben wir hier einen weiteren Beweis dafür, dass Japans Friedfertigkeit nur ein Mythos ist. Tokio hat bereits vor einigen Jahren Kurs auf Militarisierung und eine Stärkung der Rolle der Geheimdienste genommen. Buchstäblich vor wenigen Tagen erklärte der Verteidigungsminister des Landes, man solle die seit Jahrzehnten im Land tabuisierte Diskussion über Atomwaffen eröffnen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Effizienz des japanischen Geheimdienstes schon bald zunehmen wird und sie Fehler dieser Art kaum noch zulassen werden. Ebenso wenig besteht Zweifel daran, dass in Japan lebende russische Staatsbürger unweigerlich mit Anwerbungsversuchen seitens der japanischen Geheimdienste konfrontiert werden.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 21. Juli 2026 zuerst auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Jewgeni Krutikow ist ein Militäranalyst bei der Zeitung "Wsgljad".

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