Deutschland

Bundeswehr-Rekruten-Flop – nach halbem Jahr Fragebögen nur 530 Freiwillige

Seit Jahresbeginn erhalten Volljährige in Deutschland vom Verteidigungsministerium initiiert einen Bundeswehr-Fragebogen zum Thema der erhofften Karriere bei der Truppe. Ausgehend von den Auswertungen ergaben sich nach 298.200 Briefen dabei mehr als ernüchternde Realitäten.
Bundeswehr-Rekruten-Flop – nach halbem Jahr Fragebögen nur 530 Freiwillige© Screenshot: YT/Bundeswehr

Für die neue Wehrerfassung hat die Bundesregierung über das Verteidigungsministerium seit Januar dieses Jahres rund 300.000 Fragebögen versendet. Die Auswertung belegt laut Medienberichten, dass das Pistorius-Ministerium vorerst auf die klassische Rekrutierung zum Zwecke der Truppenstärkung mit neuen Soldaten und Soldatinnen vertrauen muss. So konnten laut ZDF-Auswertung aus den insgesamt 298.200 Schreiben gerade einmal "0,18 Prozent der Angeschriebenen" erfolgreich für die Bundeswehr rekrutiert werden.

Zu Jahresbeginn informierte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius darüber, dass sein Ministerium ab sofort Fragebögen an junge Männer und Frauen verschicken wird, um darüber erhoffte Freiwillige für den Wehrdienst gewinnen zu können. Parallel versucht das BmfV-Social Media-Team in regelmäßig neuen Formaten auf YouTube Jugendliche für die Truppe zu begeistern, so exemplarisch aktuell bewerbend in Berlin.

Rund fünf Monate nach Beginn der Wehrerfassung aller 18-Jährigen zieht das Verteidigungsministerium laut Agenturmeldungen eine mehr als enttäuschende erste Bilanz. So heißt es beim ZDF zum Anliegen des Schreibens:

"Darin wird ihr Interesse am neuen Freiwilligen Wehrdienst, der mindestens sechs Monate dauert, abgefragt. Männer müssen den dazugehörigen Fragebogen ausfüllen, Frauen dürfen – ohne Verpflichtung. Aus diesem Pool konnten bisher etwa 530 rekrutiert werden, die ihren Wehrdienst in diesem Jahr antreten. Das sind 0,18 Prozent der Angeschriebenen."

Auf Grundlage der vorliegenden Rücksendungen seien demnach bisher rund 1.500 Musterungen beziehungsweise sogenannte "Assessments" durchgeführt worden, "rund 600 weitere Termine seien vorgesehen."

Mit 96 Prozent Rückmeldung kamen fast alle männlichen Briefempfänger der Verpflichtung nach. In den übrigen Fällen "werde nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren geprüft." Bei den Frauen betrug die Antwortquote demnach "lediglich rund vier Prozent".

Unter den jungen Männern habe laut Agenturmeldung "mehr als jeder Fünfte ein Interesse am Wehrdienst" geäußert. Viele Interessierte seien jedoch aufgrund ihres laufenden Schulbesuchs oder einer begonnenen Ausbildung frühestens erst in ein oder zwei Jahren verfügbar.

Unabhängig von dieser anvisierten Bevölkerungsgruppe würde laut ZDF-Artikel die Truppe nach Angaben des Ministeriums aktuell wachsen. So hätten sich im ersten Halbjahr "insgesamt rund 10.000 Interessenten anderer Altersgruppen zum Freiwilligen Wehrdienst gemeldet", das wären rund acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Abbruchquote bleibe dabei jedoch konstant hoch, "so beendet im Schnitt jeder Vierte den Wehrdienst vorzeitig."

Angesichts dieser Realitäten hält es der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), nach Medienanfrage "für verfrüht, eine Wiedereinführung der Wehrpflicht auszuschließen". 

"Die bisher vorliegenden Rückmeldungen aus dem Fragebogen zum neuen Wehrdienst enthalten Licht und Schatten", erklärte er gegenüber dem SPD-nahen RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Röwekamp zeige sich nichtsdestotrotz erfreut, dass "so viele junge Menschen der Aufforderung zur Beantwortung der Fragen nachgekommen sind." Enttäuscht sei er über die geringe Rückmeldequote unter jenen, die nicht gesetzlich zur Antwort verpflichtet seien – den Frauen.

Ziel des neuen Wehrdienstgesetzes ist es, die Zahl der aktiven Bundeswehrsoldaten bis 2035 von derzeit gut 184.000 auf 255.000 bis 270.000 zu erhöhen. Insgesamt liege die Personalgewinnung der Bundeswehr seit Jahresbeginn "zehn Prozent über dem Vorjahresschnitt", man erwarte wieder ein "Rekordjahr", heißt es in einer Mitteilung aus dem BmfV. Dazu würden jedoch nicht nur Soldaten und Soldatinnen zählen, sondern auch IT-Techniker, Ingenieure und andere Berufsgruppen.

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